Informationen zum Ablauf des Scheidungsverfahrens

Wir wollen Ihnen im Folgenden schnell und übersichtlich den Ablauf der Scheidung vorstellen.
Wer sich scheiden lassen will, der fragt sich natürlich: „Wie läuft die Scheidung ab?“

Scheidungsablauf

Eine Scheidung wird durch das örtlich zuständige Familiengericht per Beschluss geschieden (§ 38 FamFG). Früher erfolgte die Scheidung durch Urteil. Oft wird umgangssprachlich daher noch vom „Scheidungsurteil“ gesprochen.
Für die Scheidung müssen die Ehegatten in der Regel persönlich zum s.g. Scheidungstermin vor dem Familiengericht erscheinen. In dieser mündlichen Verhandlung wird meist auch die Ehe geschieden. Doch wie sieht der Weg bis hin zu einer rechtskräftigen Scheidung eigentlich aus? Und wie lange dauert ein Scheidungsverfahren? Wir erklären im Folgenden die einzelnen Schritte im Ablauf der Scheidung.

Eine Scheidung kann sich bis über ein Jahr hinziehen. Wenn Sie sich einvernehmlich scheiden lassen, geht es sehr viel schneller. Eine einvernehmliche Scheidung dauert normalerweise 4 – 6 Monate. Findet kein Versorgungsausgleich statt, so kann die Dauer der Scheidung auf 1 – 3 Monate reduziert werden.

Ablauf der Scheidung:

Die Einleitung des Scheidungsverfahrens beginnt mit dem Scheidungsantrag
Die Scheidung wird eingeleitet, in dem ihr Anwalt oder der Anwalt Ihres Ehepartners einen Scheidungsantrag beim zuständigen Familiengericht stellt. Der Scheidungsantrag kann nur von einem Anwalt eingereicht werden. Sie selbst können dies nicht tun.

Nachdem das „Scheidungsgericht“ den Antrag auf Scheidung erhalten hat, wird es den Scheidungsantrag dem anderen Ehegatten zustellen. Dabei fordert das Gericht den anderen Ehepartner auf, eine Stellungnahme abzugeben. Kommt innerhalb einer bestimmten Frist keine Erwiderung, dann läuft das Scheidungsverfahren auch ohne Stellungnahme weiter.

Angaben zum Versorgungsausgleich (=Rentenausgleich)

Das Familiengericht bearbeitet den Scheidungsantrag und leitet von sich aus (man sagt „von Amts wegen“) – ohne dass es eines besonderen Antrages bedarf – den Versorgungsausgleich ein. Ausnahmsweise führt das Gericht keinen Versorgungsausgleich durch, wenn die Ehepartner diesen durch eine notarielle Vereinbarung ausgeschlossen haben oder die Ehe sehr kurz war. Im Rahmen des Versorgungsausgleiches bittet das Familiengericht die Scheidungswilligen Angaben zu ihren Rentenrechten zu machen. Dazu übersendet das Gericht Formblätter. Danach holt das Familiengericht bei den Versorgungsträgern (Rentenversicherungen etc.) die notwendigen Auskünfte ein. Und das kann dauern.
Bei der Scheidung entscheidet das Gericht zunächst nur über die Scheidung an sich und den Versorgungsausgleich.

Wenn die Ehepartner wollen, dass das Gericht auch über Sorgerecht, Umgangsrecht, Unterhalt und Zugewinn entscheidet, so müssen diesbezüglich gesonderte Anträge bei Gerichte gestellt werden. Man spricht insoweit von Folgesachen (Scheidungsfolgesachen).

Ablauf der Scheidung vor dem Familiengericht: Die mündliche Verhandlung

Der Ablauf einer Scheidung und die Dauer der Scheidung, werden maßgeblich davon beeinflusst, wie schnell die Versorgungsträger Auskunft über die Ehe der Versorgungen geben. Erst wenn diese Informationen vorliegen, kann das Scheidungsgericht den Versorgungsausgleich berechnen. In der Regel sendet das Gericht den Ehepartnern dann einen Entscheidungsvorschlag für die Verteilung der während der Ehe erworbenen Rentenrechte zu. Oft teilt das Gericht in dem gleichen Schreiben auch den Termin für die mündliche Verhandlung vor dem Gericht mit. Bei einer Scheidung findet immer eine mündliche Verhandlung vor dem Gericht statt. In der mündlichen Verhandlung – auch Scheidungstermin genannt – wird dann auch die Ehe geschieden (sollte nicht unvorhergesehenes stattfinden).

Der Scheidungstermin

Der Scheidungstermin beginnt mit dem Aufruf der Sache. Der zuständige Familienrichter stellt zunächst fest, wer anwesend ist. Er prüft die Identitäten der beteiligten Ehegatten anhand der Personalausweise. Er stellt sodann fest, welche verfahrensbevollmächtigten Anwälte anwesend sind. Danach prüft er, ob alle ordnungsgemäß geladen wurden.

Neben den Beteiligten, den Anwälten, dem Richter sowie eines eventuellen Schriftführers sind im Scheidungstermin keine weiteren Personen anwesend. Es gibt keine Zuschauer, weil die Scheidung nicht öffentlich ist. Die Scheidung erfolgt unter
Ausschluss der Öffentlichkeit.

Der Richter wird zunächst den Bestand der Ehe anhand der Heiratsurkunde feststellen und danach die Ehegatten persönlich befragen (Anhörung), wann die Trennung erfolgte und ob sie die Ehe für gescheitert halten. Mit diesen Fragen prüft er die Scheidungsvoraussetzungen, also die Trennungszeit und die Zerrüttung der Ehe.

Solange sich die Ehegatten bei der Anhörung nicht widersprechen und übereinstimmend Erklärungen zum Trennungszeitpunkt und zum Scheitern der Ehe abgeben, wird das Familiengericht die Ehe scheiden.

Zuvor muss allerdings der Ehepartner, der den Scheidungsantrag bei Gericht hat einreichen lassen, den Scheidungsantrag noch einmal mündlich durch seinen Anwalt stellen lassen. Der andere Ehepartner kann dann vor Gericht dem Scheidungsantrag zustimmen. Für die bloße Zustimmung zur Scheidung braucht der andere Ehegatte keinen Anwalt.

Wie lange dauert der Scheidungstermin?

Handelt es sich um eine einvernehmliche Scheidung ohne Folgesachen, dann dauert der Scheidungstermin nur ca. 15 Minuten. Länger kann es dauern, wenn der Versorgungsausgleich, der von Amts wegen durchzuführen ist, intensiv besprochen werden muss.
Am Ende des Scheidungstermins wird die Ehe geschieden.

Die rechtskräftige Scheidung im Scheidungstermin

Nachdem das Familiengericht in der mündlichen Verhandlung die Ehe per Beschluss geschieden hat, ist die Scheidung allerdings noch nicht rechtskräftig. Scheidungswillige glauben oft, dass Sie mit dem Scheidungsbeschluss, den der Richter in der mündlichen Verhandlung ausspricht, geschieden sind. Das ist aber nicht so. Gegen den Scheidungsbeschluss können nämlich noch Rechtsmittel eingelegt werden. Erst wenn die Rechtsmittelfrist abgelaufen ist, ist man auch rechtskräftig geschieden. In der mündlichen Verhandlung können die Ehegatten aber einen Rechtsmittelverzicht erklären. Tun sie dies, so ist die Scheidung sofort rechtskräftig. Erklären die Ehegatten keinen Rechtsmittelverzicht, so wird die Scheidung erst einen Monat nach Zustellung des Scheidungsbeschlusses an die Ehegatten wirksam.

Ihre Kanzlei Dr. Roos und Göckus

SIMONE GÖCKUS
Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht mit Tätigkeitsschwerpunkten Erb- und Strafrecht, Opfervertretung und Seniorenrecht
DR. BERND ROOS
Rechtsanwalt mit Tätigkeitsschwerpunkt Arbeitsrecht, Betriebsverfassungsrecht und Sozialrecht